26. March 2025

Susanne Dundler

Susanne Dundler, auch bekannt unter dem Alias Kirsche von Bubach, tritt als Performerin auf und arbeitet in ihrer künstlerischen Praxis mit dem Potenzial von Sound-Komposition, akustischen Umgebungen und Ordnungs­systemen – dies sowohl in formaler als auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht.

Ihre Arbeiten untersuchen Strukturen von Konformität und vorgegebenen Systemen und thematisieren dabei häufig Ausschluss, Störung und Widerspruch. Ausgangspunkt ist meist der Klang: Lo-Fi-Ästhetiken, Noise, Improvisation und poetische Spannung entfalten sich in performativen Situationen, Installationen und experimentellen Kompositionen und erweitern sich häufig in Video, Malerei oder raumgreifende, skulpturale Interventionen.

Geprägt ist Dundlers künstlerische Haltung durch eine transnationale Biografie sowie eine römisch-katholische Sozialisation in Deutschland. Erfahrungen die für die Künstlerin in eine kritische Auseinandersetzung mit Glaubenssystemen, Autorität, Klassifikation und kulturellen Narrativen münden. Diese Elemente fließen zu einer multimedialen und paradoxen Ästhetik zusammen und markieren starre und chaotische, meditative und abrasive, mechanische und organische Tendenzen. So entstehen Installationen, die Zustände von Liminalität und Resonanz im physischen wie im sozialen Raum und aufweisen und sich in Formen von öffentlicher Präsenz manifestieren, die sich eindeutigen Hierarchien zu entziehen scheinen.

Ihre Arbeiten weisen auf Schwellenzustände – ein Dazwischen, in dem etwas weder eindeutig das Eine noch das Andere ist. Der Begriff der Liminalität stammt ursprünglich aus der Anthropologie (von limen, der Schwelle) und beschreibt Übergangsphasen, etwa zwischen sozialen Zuständen, Rollen oder Ordnungen. In solchen Momenten geraten feste Strukturen, Hierarchien und Bedeutungen ins Wanken oder sind temporär außer Kraft gesetzt. In künstlerischen Kontexten verweist Liminalität auf Übergänge zwischen Räumen, Zuständen oder Medien, auf Situationen ohne klare Zuordnung oder Funktion sowie auf Momente von Offenheit, Irritation und Transformation – auf Zustände, in denen neue Bedeutungen entstehen können. Liminalität ist damit der Raum des Noch-nicht und Nicht-mehr: ein produktiver Schwebezustand, der Unsicherheit, Veränderung und Potenzial in sich trägt.

Susanne Dundler studierte Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Prof. Michael Munding und Prof. Jan St. Werner und schloss ihr Studium 2021 mit einer großformatigen Noise-Oper ab. Ergänzend zu ihrer künstlerischen Ausbildung verfügt sie über einen Hintergrund in Kommunikationsdesign und Interaction Design, der ihr Interesse an Wahrnehmungssystemen, Interfaces und prozessbasierter Komposition prägt. Intuitive Gesten treffen in ihrer Arbeit auf algorithmische und regelbasierte Strukturen. Als Mitbegründerin des Kollektivs DAF (Dynamic Acoustic Research), als Teil internationaler feministischer Klangnetzwerke sowie als Leiterin der Galvani Galerie in Nürnberg versteht sie künstlerische Praxis auch als kollektiven, diskursiven und offenen Prozess.

Dundlers Arbeit wurde bereits international an Orten wie dem Bauhaus-Archiv Berlin, der Kunsthalle Baden-Baden, dem Hamburger Bahnhof Berlin, dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, dem Funkhaus Berlin, dem Henie Onstad Kunstsenter Oslo, dem MIT Boston, der CCI Fabrica Moskau, dem Portikus Frankfurt sowie bei DeTao SIVA in Shanghai präsentiert. Darüber hinaus komponiert sie für Theater- und zeitgenössische Tanzproduktionen und nahm an klangbasierten Residenzen wie Idensitat – Sounds of Our Cities in Belgien teil. Ihre künstlerische Arbeit wurde durch zahlreiche Preise und Förderungen ausgezeichnet, darunter das Kultur-Stipendium der Stiftung Kunstfonds, das Bayerische Staatsstipendium, mehrere Preise der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg sowie ein DAAD-Stipendium für ihre Arbeit mit DAF. Zudem ist sie Trägerin des Next Generation Award der LFA-Förderbank. Zu ihren Publikationen zählen Walking in cinematic close-ups (DAF, Kunsthalle Baden-Baden & Lenbachhaus), Universal Receptivity (Hg. Kerstin Stakemeier & Bill Dietz, AdBK Nürnberg, ihr Soloalbum Change the Parameters a Little Bit (Otomatik Muziek), sowie mehrere Veröffentlichungen mit DAF. Außerdem ist ihre Musik auf der Compilation For the Lack of Better Words – In Solidarity with the People of Ukraine (Otomatik Muziek) vertreten.

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