The Artist Is Dead - The Art Is Free
ist ein steganografisches Bild, das erst durch veränderte Lichtbedingungen und technische Vermittlung sichtbar wird. Unter LED-Licht erscheinen 16 blaue Quadrate. Erst Infrarotstrahlung und eine Kamera im Nachtsichtmodus machen eine verborgene Zeichnung sichtbar. Das Werk reflektiert Wahrnehmung, Sichtbarkeit und die Rolle technischer Medien als Spiegel unserer Erkenntnis. Eine Hommage an _Der Tod des Marat_ wird hier zum Abschied vom Künstler-Ich – und zur Öffnung des Werks für neue Lesarten.
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Titel
The Artist Is Dead – The Art Is Free
steganografisches Bild, Zyklus I
Werkbeschreibung (überarbeitete Fassung)
The Artist Is Dead – The Art Is Free ist ein steganografisches Bild, das mit unterschiedlichen Lichtquellen und Wahrnehmungsebenen arbeitet.
Was sichtbar ist, hängt nicht vom Bild allein ab, sondern vom Modus des Sehens.
Bei kaltem LED-Licht erscheinen zunächst 16 blaue, puzzleartig angeordnete Quadrate – eine scheinbar monochrome, geschlossene Oberfläche.
Das Bild wirkt reduziert, beinahe neutral.
Erst wenn ein bodennaher Baustrahler mit klassischem Wolframlicht eingesetzt wird und zusätzlich Infrarotstrahlung den Bildträger erreicht, beginnt sich eine zweite Ebene zu öffnen. Diese bleibt dem menschlichen Auge verborgen. Sichtbar wird sie erst durch die Vermittlung technischer Wahrnehmung.
Steganografische Entschlüsselung
Die Entschlüsselung erfolgt nicht durch genaues Hinsehen, sondern durch den Einsatz eines digitalen Spiegels:
Eine Überwachungskamera im Nachtsichtmodus – ohne aktiven Infrarotfilter – macht sichtbar, was dem menschlichen Auge entzogen bleibt. Das Kamerabild wird auf einem kleinen Monitor gegenüber dem Werk gezeigt.
Was dort erscheint, ist keine Projektion und kein Video, sondern die reale physische Arbeit – sichtbar gemacht durch eine andere spektrale Übersetzung des Lichts.
Die verwendeten Pigmente reagieren unterschiedlich auf Infrarotstrahlung:
Einige lassen IR-Licht nahezu vollständig passieren, andere absorbieren oder reflektieren es. Aus diesen Unterschieden entsteht ein Kontrastbild, das nur unter bestimmten Bedingungen lesbar wird.
Diese Technik ist aus der Restaurierung bekannt, wo Infrarotaufnahmen genutzt werden, um verborgene Malschichten sichtbar zu machen.
Das Phänomen bleibt flüchtig.
Sobald sich Licht, Temperatur oder Blickwinkel ändern, verschwindet das Bild wieder.
Bildmotiv und Referenz
In der verborgenen Zeichnung erscheint eine bewusste Hommage an „Der Tod des Marat“ (1793) von Jacques-Louis David.
Wie bei David ist der dargestellte Körper nicht bloß Abbild eines Ereignisses, sondern Träger einer Idee. Die Badewanne wird zum Übergangsraum – ein Ort zwischen Leben und Transformation.
Hier liegt kein politischer Märtyrer, sondern ein verabschiedeter Künstler-Ich-Zustand.
Der Tod ist nicht dramatisch, sondern still.
In der Hand kein Federkiel, sondern ein Tablet – ein Zeichen für den Wechsel der Werkzeuge, der Zeit und der Produktionsbedingungen.
Erkenntnis und Wahrnehmung
Das Werk stellt keine Bilder aus, sondern Bedingungen des Sehens.
Es fragt:
Was sehen wir wirklich?
Sehen wir alle dasselbe?
Wo beginnt Realität, wo endet Projektion?
Die Dualität von Frontlicht und Rücklicht, von sichtbarer und verborgener Ebene, verweist bewusst auf das platonische Höhlengleichnis.
Nicht das Bild täuscht – sondern die Gewissheit des Sehens.
The Artist Is Dead – The Art Is Free versteht Tod nicht als Ende, sondern als notwendige Transformation:
Der Autor tritt zurück.
Das Werk bleibt – frei von Intention, offen für Wahrnehmung.